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Missionsablauf "Neujahrstauchen" 2016

Brandt  Thiébault, Michael Häne 04.02.2016

Samstag, 16. Januar 2016

23.15 Uhr
Ja, wir haben es geschafft. Die Mission ist erfolgreich verlaufen. Unsere diplomatischen Beziehungen zu anderen Organisationen sind wieder intakt, unser Netzwerk durch neue Bekanntschaften grösser. Zeit also, den Heimweg anzutreten und die wohlverdiente Ruhe zu geniessen. Ja, wohlverdient. Denn der Tag war hart und anstrengend. Doch von vorne.

11.30 Uhr
Die Mission beginnt. Wie vorgängig vereinbart, holt mich Michael Häne ab. Die Ausrüstung ist gepackt. Nicht vergessen: das notwendige Material wie Schreibtafel, Zangen, Messband, Kabelbinder und anderes Werkzeug, welches wir für die korrekte Ausführung der Mission brauchen. Die 15 l Flasche ist voll mit bester Uzwiler Luft. Qualität ist das „A und O“ für ein erfolgreiches Erfüllen der Aufgaben. Wir brauchen einen klaren Kopf. Seelisch sind wir parat. Was auf uns zukommt, wissen wir nicht. Die Details unserer Aufgabe erhalten wir erst vor Ort. Wie immer ist alles hochgeheim. Nach 15 Minuten Fahrt kommt der erste Dämpfer. Stau. Amateure auf der vereisten Fahrbahn. Noch sind wir ruhig. Den Zeitplan haben wir bewusst grosszügig gewählt. Doch es ist jetzt schon klar, dass uns keine Zeit bleiben wird für ein kurzes Briefing. Was soll’s. Nichts kann uns mehr bremsen. Unsere Motivation ist ungebrochen!

12.15 Uhr
Endlich kommen wir am vereinbarten Treffpunkt an. Versteckt in der Tiefgarage des Hotels Bad Horn am Bodensee kann uns niemand bei unseren Vorbereitungen stören. Fast niemand. Natürlich werden wir von unserer Kontaktperson in Empfang genommen. Die Zeit ist knapp. Um 12.50 Uhr müssen wir schon umgezogen am Ufer stehen. Doch vorher noch eine kleine Aufwärmaufgabe: wir müssen uns ein Ping-Pong-Ball ähnliches Gebilde mit Hilfe von käfigförmigen „Schläger“ zuwerfen und auffangen. Michael und ich schliessen durchschnittlich ab. Aber was soll’s, es ist erst der Anfang. Verzweiflung wäre hier fehl am Platz. Jetzt schnell die Ausrüstung richten, in den Trockenanzug steigen, die Flasche satteln und leicht verschwitzt zum nächsten Treffpunkt. Wir geniessen noch die Wärme. Zu sehr ist uns bewusst, dass es in den nächsten 60 Minuten nicht mehr so wohlig warm sein wird… Auf dem Weg zum Start treffen wir noch kurz auf unsere Kameraden Claudia Kern und Matthias Lottenbach. Claudia hat sich in diesem Jahr entschieden, auf externe Hilfe für die Erfüllung der Mission zurück zu greifen. Wird sich das auszahlen? Vehement schweigen sie über die Aufgaben. Zu gross ist die Angst vor der Konkurrenz. Denn trotz der gleichen Clubzugehörigkeit ist heute jedes Team auf sich gestellt.

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12.55 Uhr

Mit 5 Minuten Verspätung starten wir. Zuvor haben wir noch den Missionsauftrag sowie zusätzliches Material für die Erfüllung der Aufgaben erhalten. Schwer bepackt steigen wir ins Wasser. Alles ist dicht (ausser wir selbst vielleicht). Das Wasser weist kühle 6° C auf. Doch die Sicht ist hervorragend. Wir beginnen also unsere Mission. Wir sind ein eingespieltes Team. Taucherisch kennen wir uns in- und auswendig. Doch werden wir den Aufgaben gewachsen sein? Was erwartet uns? Werden wir uns ergänzen? Jede Aufgabe einzeln zu beschreiben würde zu lange dauern. Grob gesagt gestaltete sich der Parcours jedoch wie folgt:

  1. Erkennen von Comicfiguren anhand von schematischen Legomännchen.
  2. Zuordnen von Jahreszahlen zu einem wichtigen Schweizer Ereignis (Bsp: wann wurde das erste Vegi-Restaurant der Schweiz eröffnet?).
  3. Eine Teilskizze eines Eglis auf einem Brett mit max. 15 Nägeln komplettieren und danach die Nägel mit einer Schnur verbinden, um die Kontouren zu bilden.
  4. Zuordnen von Werbeslogans einer Marke (z.B.: „just add water“).
  5. Präzises Aufzeichnen eines ausgesteckten Unterwasserparcous.
  6. Erstellen eines Kunstwerks mit dem Titel „aus den Tiefen der Meere“ mit Neocolor-Stiften.
  7. Erkennen von Schweizer Seen und Fischen anhand von Umrissen.

Die Aufgaben sind knifflig. Aber trotz kalten Temperaturen und dicken Handschuhen haben wir zu keinem Zeitpunkt den Verstand verloren. Bei einer Maximaltiefe von 15m besteht auch nie die Gefahr eines Tiefenrausches. Wie genau wir die Aufgaben lösen,unterliegt jedoch der höchsten Geheimhaltungsstufe.

14.00 Uhr
Endlich steigen wir aus dem Wasser. Die Mission ist erfüllt, und wir schreiten zum Debriefing. Unsere Auftraggeber quetschen alles aus uns raus. Glücklicherweise erweisen sie sich als ziemlich human und versorgen uns mit heisser Bouillon. Diese haben wir eigentlich nicht wirklich nötig. Zu keinem Zeitpunkt hat uns die Kälte in die Zange genommen. Zu hoch war der Adrenalinpegel. Schliesslich mussten wir unsere Fähigkeiten unter Beweis stellen.

14.20 Uhr
Endlich ist alles vorbei! Das Ungewisse bleibt aber. Haben wir erfolgreich alle Aufgaben gelöst? Konnten wir mit unseren Kunstwerken überzeugen? Ist der Auftraggeber zufrieden? Und vor allem: Ist die Ehre wieder hergestellt? Schliesslich lag die letzte erfolgreiche Mission schon einige Jahre zurück… Erschöpft entscheiden wir uns, den Rückweg anzutreten und uns etwas Ruhe zu gönnen. Schliesslich ist für den Abend das traditionelle Galadiner angesagt. Dieses wollen wir ja nicht verpassen.

15.00 Uhr
Alles ist gepackt, das Auto startklar und wieder Michael hinter dem Steuer. Jeder ist in seinen Gedanken verloren. Jedem fallen Antworten auf Fragen ein. Habe wir das so beantwortet? Ist das korrekt? Wurde die Eiger-Nordwand wirklich 1938 zum ersten Mal bestiegen? Die Antworten werden wir noch früh genug hören.

17.30 Uhr
Gestärkt durch eine warme Dusche und eine kleine Ruhepause treten wir die letzte Etappe des Tages an: Wir kehren zurück ins Hotel Bad Horn. Zurück zum Ort des Geschehens.

18.00 Uhr
Bereits sind einige unserer Konkurrenten eingetroffen. Die Stimmung ist ausgelassen. Doch im Inneren jedes einzelnen ist die Spannung hoch. Jeder will wissen, wie er abgeschnitten hat. Mit einem Glas Weisswein versuchen die Teilnehmer, die Nervosität in den Griff zu bekommen. Mein Partner Michael entgeht nur knapp einem Attentat. Eine unscheinbare Kerze hat Michaels Hemd entflammt. Doch dank seines schnellen Reaktionsvermögen hat Michael die listige Attacke bemerkt und sich rasch in Sicherheit gebracht. Unverletzt? Er schon, das Hemd nicht wirklich.

19.00 Uhr
Endlich begeben wir uns zu Tisch. Wir haben uns entschieden, gemeinsam mit unseren künftigen Mitgliedern Irene Wagner und Marco Wiss sowie dessen Bruder Daniel Wiss und seiner Freundin Amanda zu dinieren. Ebenfalls an unserem Tisch sind Claudia Kern und Matthias Lottenbach. Auch in diesem Jahr schmeckt das Dinner köstlich: grosser gemischter Salat, Perlhuhn-Brust auf Portweinjus mit Gemüse und Risotto, zum Schluss ein Tiramisù mit Blutorangensorbet. Dazu einen wunderbarer Zweigelt aus Österreich. Alles, was es nach so einer Mission braucht. Alles, um endlich herunterzufahren. Ganz? Noch nicht. Denn noch ist das Resultat nicht bekannt.

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20.30 Uhr
Endlich ist es soweit! Wir kommen zum eigentlichen Debriefing. Daniel Stoffner, als Vertreter des Auftraggebers, erläutert die einzelnen Aufgaben der Mission. Zugleich gibt er die Lösungen bekannt. Wie es scheint haben Michael und ich nicht so schlecht abgeschlossen. Letzte sollten wir nicht sein. Nach den klärenden Worten von Dani wird endlich die Platzierung bekannt gegeben. Begonnen wird mit dem ersten Platz. Schliesslich dürfen die Sieger ihre Belohnung vom Gabentisch zuerst aussuchen. Sehr schöne Preise stehen dieses Jahr wieder bereit: von Flossen, Taucherbrillen, Kalendern bis hin zu tollen Taucherlampen. Was nun aus dem Munde von Dani ertönt, lässt uns kurz atem- und sprachlos. Der erste Platz geht nicht an OTC Manta oder TFG 66, noch an Napoleon. Sieger ist ein Buddy vom Sub Team 76! Ja, Michael und ich haben es auf die oberste Stufe des Podestes geschafft! Wir haben mit zwei Punkten Vorsprung unsere Konkurrenten hinter uns gelassen. Wir haben gewonnen! Die Mission war erfolgreich. Die Ehre ist gerettet.

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THE END  

Epilog
Wieder einmal hat sich das OK des Neujahrstauchens übertroffen. Tolle Posten, eine super Organisation, tolles Essen. Alles in allem ein sehr gelungener Tag. Vielen Dank an OTC Manta für die Durchführung. Wir können nur empfehlen, im 2017 auch zu partizipieren. Es lohnt sich. Der Anlass findet das nächste Mal am 21. Januar 2017 statt. Die Detaillierte Rangliste findet ihr hier. Auto: Thiébault Brandt Co-Autor: Michael Häne Fotos: Simone Gasser