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Tagebuch einer Tauchsafari ans Rote Meer

Urs Romitti / dubio 12.06.2012

1. Tag, Donnerstag, 31. Mai 2012

Zürich – Marsa Alam mit LX 8150, Abflug ist morgens um 06.25 Uhr. Der Tag beginnt also für unsere Gruppe von 16 Taucherinnen und Tauchern ziemlich früh. Check-in und Flug verlaufen problemlos und die ägyptische Sonne erwartet uns in Marsa Alam um 11.00 h bereits mit 33 Grad.

Die Aufregung, dass im Duty Free bei der Ankunft kein Bier erhältlich ist, währt nur kurz und bereits am Mittag sind wir im Hafen von Port Ghalib wo die M/Y Obsession der Seaserpentfleet uns erwartet.  Nach der herzlichen Begrüssung durch die zwei Dive-Guides Kati und Willhelm sowie durch die Mannschaft geht das Gewusel mit dem Gepäck und dem Bezug der Kabinen los. Da die Obsession aber Platz für 20 Taucher bietet, ist das Ganze für unsere 16 köpfige Gruppe kein Problem.

Was für eine Überraschung! Die Veranstalter haben das jahrelange Drängen vom „Ressort Red Sea“ vom Sub-Team endlich erhört und extra für diese Safari eine Nespressomaschine angeschafft. Sie ist fabrikneu und muss noch ausgepackt werden. Max muss jetzt noch sicherstellen, dass die berechneten 400 Dosen Bier an Bord sind, damit sich keine Versorgungslücke auf hoher See auftut. 

Den Abend verbringen wir noch mit einem kurzen Ausgang in den Läden der Seepromenade von Port Galeb. Eine Shisha und Tabak müssen selbstverständlich noch mit an Bord.

 

2. Tag, Freitag 1. Juni 2012, Abu Dabbab

Die Hafenpolizei in Ägypten hat sich an den Touristenorten stark verändert. Bereits um 07.30 h sind alle Formalitäten erledigt und das Schiff kann auslaufen. Das gabs in den letzten Jahren nie. Toll.

„Mein Name ist Willhelm. Das ist Kati und wir sind heute eure Dive Guides heute!“ Jeder Tauchgang, der von unserem holländischen Will geleitet, beginnt mit diesen Worten.  Professionell begleiten uns Will und Kati durch die folgenden Tage und lassen uns dabei in gewissen Massen doch uns taucherischen Freiheiten. Die zwei Gewöhungstauchgänge am Riff  Abu Dabab verlaufen einwandfrei. Das Riff ist intakt und die Unterwasserwelt des Roten Meeres nimmt uns sofort voll in Beschlag.

Da wir die Süd-Tour bis Rocky Island gebucht haben, bleibt keine Zeit für einen Nachttauchgang. Der Kapitän startet die Motoren der Obsession und nimmt Süd-Ost-Kurs.

 

3. Tag, Samstag 2. Juni 2012, Daedalus (Abu Kizan)

In der Nacht sind wir beim Daedalus-Riff mit dem Leuchtturm angekommen und haben zwischen zwei bereits gelegenen Schiffen geankert.

Am nächsten Morgen werden wir dann um 06.00 h für den ersten Tauchgang vor dem Frühstück geweckt. Marianne hat heute Geburtstag und der Tag fängt mit Küsschen hier und kerzenbestückten Muffins dort fröhlich an. Für diesen Tauchgang hat sich unsere charmante österreichische She-Dive-Guide Kati eine besonders clevere Art ausgesucht, wie sie unsere Tauchgruppe zusammenhalten kann. Wir sollen nämlich einen Fischschwarm spielen um Hammerhaie anzulocken. Dazu werden alle Taucher an derselben Stelle im Meer ausgesetzt und bleiben dann eng zusammen. Die Hammerhaie würden bei  einem solchen Pulk von Tauchern neugierig  eine Futterquelle vermuten!  Na ja, als ob Hammerhaie nach Jahrtausenden der Evolution blubbernde Taucher noch mit einem Sardinenschwarm verwechseln könnten. Trotzdem haben die meisten von uns an diese „Big Fish“-Theorie geglaubt. Ueli hat sicherheitshalber gleich einmal auf den Tauchgang verzichtet.

 Wieder sind es drei Schlauchboote die uns zur Riffkante bringen. Da aber nur zwei „Zacks“ an Bord sind und wir für die Big-Fish-Theorie zusammenbleiben müssen, gehen die ersten zwei Gruppen vom Schlauchboot und warten auf fünf Metern auf die dritte Gruppe. Das dauert rund 15 Minuten.  Beim anschliessenden Gruppentauchgang zeigt sich dann 1 Hammerhai. Zusätzlich sind noch ein Grauer, eine Schildkröte, Muränen, Napoleon und diverse Barracudas zu sichten. Also ein toller Tauchgang nach einem angenehmen Tagesbeginn.

Die Tauchgänge Nr. 2 und 3 an diesem Tag können dann wahlweise vom Boot direkt oder via Schlauchboot absolviert werden. Ein Nachttauchgang ist bei Daedalus wegen den Strömungsverhältnissen und der Lage auf offener See nicht möglich.  Drei Stunden im Wasser am Tag genügen ja aber auch.

Die Küche hat zum Abendessen Schnipo vorbereitet und es wird nochmals Mariannes Geburtstag gefeiert mit allem was dazugehört. Also mit Kuchen, Wein, Kaffee und Grappa und vielen alten Geschichten.  Der krönende Abschluss dieses tollen Tages vor Mitternacht beschert uns dann AC/DC in voller Lautstärke mit dem Highway to Hell.

 

4. Tag, Sonntag, 3. Juni 2012, Daedalus (Abu Kizan)

Weil heute Sonntag ist, werden wir um 05.00 h geweckt. Early morning diving nennt sich dieser Brauch. Nicht alle sind begeistert von einer frühen Schlauchbootfahrt und daher brechen wir  nach einem kurzen Briefing zu zwölft auf Richtung Riffkante. Dort warten wir 5 Minuten auf 15 Metern bis  eine Hammerhaischule mit 9 Tieren langsam an uns vorbeizieht. Speziell unsere UW-Fotografen scheint ein unglaubliches Glücksgefühl zu durchströmen.  Der grössere Teil unserer Gruppe verbleibt während dieser Tauchstunde einfach am Platz im freien Wasser um wieder und wieder einzelne Hammerhaie betrachten zu können.  Die andere Gruppe schwimmt am Riff entlang. Auch dort sind weitere Hammerhaie, Graue und Weissspitzen während einer Stunde immer wieder Begleiter. Alles in Allem ein absoluter Hammertauchgang.

Der zweite Tauchgang wird kurz. Die Strömung  bringt uns bereits in einer halben Stunde unter das Schiff. Keine Chance gegen die Kraft des Meeres anzukämpfen, also gehen wir an Bord.  Trotz der kurzen Zeit haben wir den wunderbaren Bewuchs der Wand genossen. Eine vergleichbar bewachsene Wand habe ich bis heute erst beim grossen Brother gesehen.

Nach dem zweiten Tauchgang kann dann der Leuchtturm von Daedalus besichtigt werden. Ein Schlauchboot bringt uns in kurzer Fahrt zum Steg.  Eine Mannschaft von 2 Vertretern der Verwaltung und 2 Vertretern des Militärs ist jeweils für 3 Monate auf dem Felsen bis die Ablösung erfolgt. Wir besteigen den Turm über rund 150 Eisenstufen um anschliessend mit der Mannschaft Shisa zu rauchen, Tee zu trinken und selbstverständlich T-Shirts zum Preis von 10 Euro zu kaufen. Nach einer halben Stunde ist es aber genug, der Dreck ist unglaublich und der Blick auf die sanitären Einrichtungen lässt uns schaudern. Was für ein Unterschied zu unserem Boot. Täglich wird alles geputzt und die Kabinen werden sogar zweimal zwischen den Tauchgängen aufgeräumt.

 

Es gibt übrigens Pizza zum Mittagessen.

Am Nachmittag dann der sechste und letzte TG bei Daedalus. Wir fahren mit den Schlauchbooten nochmals  an die Nordwestseite der Insel und fallen beinahe auf die 2 Hammerhaie, die dort im Blauwasser ihre Runden ziehen. Wunderschön. Auf dem Rückweg dann nochmals Hammerhaie, ein Rudel von 4 Weissspitzenhaien und eine jagende Makrele, die Marcel einen ziemlichen Schrecken verpasst hat. Der Manta am Schluss hat dann This eine Runde Bier gekostet.

Um 15.00 h lichten wir den Anker für 10 Stunden Fahrt in den Süden nach Rocky Island. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen wir Daedalus. Die letzten zwei Tage waren absolut unglaublich.

Und als ob noch nicht genug wäre, Punkt 18.20 h erscheint ein Schwarm Delfine mit vielen Jungtieren und begleitet uns eine kurze Zeit vor dem Sonnenuntergang. Langsam wird es beinahe zu viel.

Es ist Vollmond.

 

5. Tag, Montag, 04. Juni 2012, Rocky Island und Zabargad

In der Nacht um 1 Uhr kommen wir nach gut 10 Stunden Vollmondfahrt bei Rocky Island an. Wegen des Windes dauert das Ankermanöver mit Motor und Schlauchbooten rund 1 ½ Stunden, was einige von uns wenig schlafen lässt. Da wir am Abend bereits wieder in den Norden aufbrechen müssen, beginnt unser Tauchtag wieder um 5 h mit einem charmanten „Aufwachen!“. Der anschliessende Tauchgang an der Wand von Rocky zeigt zwar viele wunderbare Korallen, lohnt aber den weiten Weg in den Süden kaum. Früher war der Felsen bekannt für Grossfische, diese wurden aber von den einheimischen Fischern für den Schwarzmarkt beinahe ausgerottet.

Die anschliessende Überfahrt nach Zabargad dauert nur kurz. Die unbewohnte Insel  ist mittlerweile ein Schutzgebiet für Schildkrötengelege.  Eine wunderbare Lagune mit türkisfarbenem Wasser befindet sich zwischen der Insel und unserem vorgelagerten Korallenriff.

Das Tauchen vor Zabargad ist ein absolutes Highlight in Sachen Korallen und Korallenfische. Ein Aquarium mit glasklarem Wasser unter dem Boot. Die Schlauchboote brauchen wir dafür nicht. Die Vielfalt der Lebewesen ist überwältigend. Darunter ist auch ein Riesenkofferfisch mit einer speziellen Zeichnung. Das Tier hat in etwa dieselben Bauernmalereien auf dem Leder wie unser This.

Auch den dritten TG dieses Tages verbringen wir bei Zabargad bevor unser Kapitän die Motoren startet und diesmal für 10 Stunden Kurs nach Norden hält. Beim Verlassen von Zabargad springt dann zum Abschied noch ein Schwertfisch unmittelbar neben unserem Boot kurz aus dem Wasser.

 

6. Tag, Dienstag, 05. Juni 2012, Sholaniate, Gota El Sharm und Habili Marsa Alam

Das Meer war ruhig in der Nacht, sodass unsere Fahrt auch gegen die Grundströmung des Roten Meeres und gegen den Wind verhältnismässig ruhig verlief. Wieder wurde es 1 Uhr bis die Mannschaft das Schiff ankern konnte. Da an diesem Tag 4 Tauchgänge geplant sind, heisst es auch diesmal um 5 Uhr aufstehen.  Ferien pur?!

Der erste Tauchgang bei Sholaniate ist ein reiner Flachwassertauchgang, der wahlweise vom Boot direkt oder von den Schlauchbooten aus angegangen wird. Wir entscheiden uns für die Schlauchbootvariante und sind um 05.45 h im  Wasser. Nach 60 – 80 Minuten sind alle frisch an Bord für das Frühstück. Highlight war die fressende Schildkröte und ein Scharm Jungfische, die sich vor ihrer grossen Reise ins Meer noch im geschützten Riffbereich aufhalten. 

Der zweite und dritte Tauchgang dieses Tages sind ebenfalls Flachwassertauchgänge. Bei Habili Marsa Alam erwartet uns ziemlich am Nachmittag Gegenströmung in allen Richtungen. Dafür haben wir die von Marianne gewünschten Süsslippen gesehen.

Heute Abend kommen dann endlich auch unsere Nachttaucher auf ihre Kosten. Es ist aber nur noch die Hälfte unserer Gruppe, die diesen 4. Tauchgang am gleichen Tag absolviert. Die unermüdlichen sind dafür aber mit allerlei Getier vor der Brille belohnt worden.

Das anschliessende Captiän’s diner findet  ohne den Kapitän, dafür mit dem mittlerweile bekannten Truthahn statt. Anschliessend führt uns unser She-Dive-Guide Kati den Video vor, den sie während unseres Tripps ob und unter Wasser gedreht hat. Mit der frisch erstandenen  DVD (25 Euro) erhalten auch die Daheimgebliebenen einen Eindruck von unserer tollen Safari.

 

7. Tag, Mittwoch, 06. Juni 2012, Elphinstone und Marsa el Shuna

Immer noch ist Elphinstone ein sehr begehrtes Tauchriff.  Da entsprechende viele Schiffe zu erwarten sind, startet unser Kapitän an diesem Morgen bereits um 04.45 h die Motoren um eine halbe Stunde später zu ankern.  Der anschliessende TG am frühen Morgen ist schön, aber unspektakulär. Das Pfeifen der Delphine haben wir zwar unter Wasser gehört, die Tiere sind aber kurz vor dem Riff abgebogen und sind nur für die an Bord zurückgebliebenen zu sehen.

Der Abschluss – TG bei Marsa el Shuna bringt uns zu einer Seegraswiese. Diese ist allerdings sehr kurz gemäht (etwa 10 cm hohe Gräser). Was anfangs sehr unspektakulär beginnt, findet seine Fortsetzung in einer fressenden  Schildkröte und einem Schlangenaal. Das Zurückschwimmen am Riff entlang ist was die Vielfalt und Farben der Unterwasserwelt anbelangt nochmals einmalig.

Gegen 13.00 h laufen wir dann in den Hafen von Port Ghalib ein, wo wir den Nachmittag mit packen und ausruhen verbringen.  Auch der letzte Abend an Bord verläuft im gemütlichen Beisammensein mit Bier und allerlei Sonstigem.

 

8. Tag, Donnerstag, 07. Juni 2012

Um 09.15 h holt uns der Bus im Hafen ab und bereits eine viertel Stunde später sind wir am Flughafen von Marsa Alam. Flug LX 8151 der Edelweiss bringt eine zufriedene Gruppe von 16 Safariteilnehmern pünktlich zurück in die Schweiz.

 

Fazit einer tollen Tauchsafari

Wir sind alle etwas älter geworden. Die Hahnenkämpfe an Bord sind weniger geworden und auch die Tiefenjäger sind beinahe ausgestorben. Das Rote Meer bietet immer noch alles, was ein Taucherherz begehren kann. Die Südtour mit Daedalus und Rocky Island gleichzeitig ist ziemlich anstrengend, was das Fahren mit dem Boot, das Zodiactauchen und das frühe Aufstehen anbelangt. Es ist aber machbar. Der Safariveranstalter Seaserpentflett.com ist absolut die richtige Adresse für unsere Bedürfnisse. Schiff, Mannschaft (inkl. Küche und Sauberkeit) sowie die Tauchorganisation sind Spitze.  Besten Dank an Charlie und seine Mitorganisatoren Max und Marcel.

Es war sooooo geiiiiiilllll…..  /dubio 

(und Danke This für das tolle Hammerhai-Foto).